Seit Oktober 2022 ist es nicht mehr die Aufgabe der Bundesregierung, über den gesetzlichen Status von Cannabis zu entscheiden. Die EU-Kommission hat diese Aufgabe übernommen und muss nun prüfen, ob eine staatlich lizenzierte Cannabisindustrie mit europäischem und völkerrechtlichen Vorgaben vereinbar ist. Doch gleich wie die Entscheidung ausfallen wird, so sollten sich alle Seiten an ihren empirischen Behauptungen über den Nutzen der Legalisierung messen lassen.
Denn in Kanada und den amerikanischen Staaten, in denen Cannabis legal ist, gibt es bereits reichlich Daten, die einen Anstieg an Vergiftungen, psychiatrischen Störungen und Rauschgiftnotfällen belegen. Auch in Thailand könnte sich bald herausstellen, dass die Legalisierung kein Gewinn für die Gesellschaft sein könnte. Dort wurde kurzfristig im Sommer 2022 erlaubt, Cannabis frei zu verkaufen. Aufgrund fehlender Regelungen wie Jugendschutz oder Steuerung könnte jedoch schon bald wieder ein Verbot herrschen.
Legaler Anbau unter hohen Auflagen
Für deutsche Bürger ist es noch nicht möglich, Cannabis frei zu verkaufen. Sollte aber die EU-Kommission dem Vorschlag der Ampelkoalition folgen und Cannabis ab dem Jahr 2024 für Erwachsene legal machen, wird der Anbau des Rauschmittels unter bestimmten Auflagen erlaubt sein. Bereits jetzt arbeitet die „Anbau-Allianz“, bestehend aus Tim Spieker, Elimar Moormann und Pia Marten, an einem Konzept für professionelle Cannabis-Anbauer.
Tim Spieker betreibt bereits einige Gewächshäuser, in denen er bisher hauptsächlich Hortensien anbaute. Jetzt will er in diesen Häusern auch Marihuana anpflanzen. Dafür investiert er in neue Belichtungsanlagen sowie in eine Wärmeverteilung, die Landwirt Elimar Moormann mit seiner Biogasanlage liefern wird.
Pia Marten, bereits Vertriebsexpertin und Cannabis-Verkäuferin für medizinische Zwecke, steht dem Trio zur Seite. Ihr Ziel ist es, den Verkauf über Apotheken, einen Onlineversandhandel und speziell für Cannabis angelegte Läden abzuwickeln. Da die Legalisierung vorerst nur für Erwachsene gelten wird, setzt man hier auf eine strenge Altersbeschränkung und Kontrolle des Vertriebswegs.
Energieaufwendiger Anbau
Der Anbau von Cannabis ist nicht nur eng mit strengen Auflagen verbunden, sondern auch sehr energieintensiv. So benötigt es spezielle Belichtungsanlagen und Wärmeverteilungssysteme, damit die Pflanzen wachsen und blühen können. Hinzu kommen weitere Energiequellen zur Klimatisierung und zur Abluftregulierung.
Außerdem brauchen die Pflanzen besonders viel Wasser und Nährstoffe, um ein optimales Wachstum zu gewährleisten. Ein Kilogramm Cannabis macht also eine Menge Arbeit und benötigt eine große Menge an Energie.
Wenn die Entscheidung der EU-Kommission positiv ausfällt, sollten daher weitere Prüfungen stattfinden, die festlegen müssen, welche Energien zur Ausübung des Anbaus verantwortungsvoll verwendet werden dürfen.
Nicht nur die EU-Kommission, sondern auch die deutschen Parteien sind an einer endgültigen Entscheidung interessiert.
Die Partei Puethai lehnt die Legalisierung von Cannabis ab und hat die Unterstützung des konservativen Jugendverbands. Dieser befürchtet, dass Jugendliche künftig an Schulen Cannabis verkaufen könnten.
Andererseits steht mit Anutin Charnvirakul, dem stellvertretenden Premierminister und Minister für öffentliche Gesundheit, und seiner Partei Bumjaithai ein starker Gegner der Legalisierung. Dieser wird wohl auch bei der Bundestagswahl im September 2023 wieder ein bedeutendes Thema sein.
Es bleibt also abzuwarten, welche Partei sich am Ende für die Legalisierung von Cannabis entscheiden wird und ob die Menschen in Deutschland damit einverstanden sind.
Quellen
- https://www.faz.net/aktuell/politik/inland/cannabis-eu-kommission-koennte-legalisierung-stoppen-18715134.html
- https://www.prosieben.de/serien/newstime/news/cannabis-paradies-thailand-69680
- https://www1.wdr.de/nachrichten/westfalen-lippe/ibbenbueren-cannabis-anbau-100.html
- https://www.hessenschau.de/panorama/prozess-um-viertel-tonne-cannabis-in-frankfurt-gestartet-v2,kurz-cannabis-prozess-102.html